Folkloregruppe
Renningen 1955 e.V.
1972 - 1999 Neuorientierung des Vereinslebens

Mitdem stetigen Zunehmen der Mitglieder in den Tanzgruppen, die nicht mehr alle ungarndeutscher Herkunft waren, fand ein kultureller Wandel statt.

Einerseits besuchte man weiterhin den Schwabenball als traditionelle Veranstaltung der Ungarndeutschen Landsmannschaft.

"Schnitterkranz"

Diese Bilder entstanden 1972 während der Trachtenschau des jährlich stattfindenden Schwabenballs in Ludwigsburg.

Andererseits war die Integration in das örtliche Vereinsleben weit fortgeschritten. Erst zu dieser Zeit besann man sich der ursprünglichen Herkunft und der damit verbundenen Donauschwäbischen Kultur. Die Anschaffung neuer Trachten in den Farben der alten Leonberger Bauerntracht (gelbe Kniebund-hosen, rote Weste und rot-blaues Dirndl mit weißer Schürze) unterstützte diese Entwicklung und zeigte die wachsende regionale Verbundenheit.

Die Schwäbische Tanztracht wurde erstmals 1972 anlässlich des Renninger Gemeindefestes zur Hartplatzeinweihung getragen.
Zum Jahreswechsel 1972 / 73 verabschiedete die Hauptversammlung eine neue Vereinssatzung und die Namensänderung in Folklore-, Tanz- und Trachtengruppe Renningen e.V. Im Zuge dieses Wandels trat der Verein der „Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise Baden-Württemberg e.V.“ (AG) bei. Gleichzeitig übernahm Martin Barth das Amt des 1. Vorsitzenden, er war damit der erste Vorstand, der nicht aus der ehemaligen UdL stammte. Martin Barth führte das Amt bis 1977 aus. Damit entwickelte sich aus dem ehemaligen Familienverein ein kulturtreibender Verein, in den mehr und mehr Renninger Bürger Zugang fanden.
Die Tanzgruppen erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Neben den bestehenden Kindergruppen konnte eine zusätzliche Jugendgruppe gegründet werden.

Der Rücktritt von Monika Bordt veranlasste die Vereinsführung zur Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Hierfür konnte Reinhold Fink 1974 über die Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise Baden-Württemberg gewonnen werden. Er leitete die Jugendtanzgruppen bis 1983. Mit ihm entwickelte sich in diesen Jahren ein reger Kontakt zu anderen Volkstanzgruppen im In- und Ausland.

Mit befreundeten Volkstanzgruppen aus Bad Liebenzell und Neckartailfingen sowie dem Fanfarenzug aus Friolzheim besuchten einige Paare der aktiven Tanzgruppe 1974 die USA zur Feier der 200-jährigen Unabhängigkeitserklärung.

1975 feierten die Mitglieder das 20-jährige Bestehen des Vereines mit einem Zeltfest an der Jahrstraße.
Eine große Anzahl von Volkstanz- und Trachtengruppen sowie Vertreter örtlicher Vereine nahmen am Umzug teil.



Mit einer Abordnung der Stadtverwaltung besuchten Mitglieder 1979 als erster Verein aus Renningen die Tanzgarde und den Spielmannszug der französischen Partnerstadt Mennecy.

Unter dem 1. Vorsitzenden Erwin Müller (1980 – 1981) feierten die Mitglieder 1980 ihr 25-jähriges Vereinsjubiläum mit einem drei-tägigen Zeltfest. Dabei kam die im Vorjahr wiederge-gründete Kindertanzgruppe zu ihrem ersten Auftritt vor großem Publikum. Die Mitgliedschaft in der AG wirkte sich positiv aus, da eine große Anzahl von Volkstanzgruppen und Trachtenvereinen aus der Umgebung den Festzug durch Renningen bereicherten. Zudem nahmen die Partnervereine aus Mennecy am Umzug teil.

Einige Frauentrachten waren aufgrund ständiger Abänderungen nicht mehr ansehnlich. Die Vereinsführung, unter dem Vorsitz von Franz Frech, entschloss sich deshalb zur Anschaffung neuer Trachten. Nach umfangreichen Recherchen in historischen Unterlagen, u.a. im Heimatbuch für den Bezirk Leonberg von 1924, entschied sich der Gesamtausschuss 1982 auf die Nachbildung der Leonberger Tracht. Aus Renningen waren keine Überlieferungen vorhanden.
Die Anschaffung von fertigen Kleidern drohten den finanziellen Rahmen zu sprengen. Deshalb machten die Tänzerinnen den Vorschlag, die Trachten selbst zu nähen. Unter Anleitung von Fr. Palmer und Fr. Fink trafen sich die Frauen mehrere Wochen, um die Trachten in mühevoller Handarbeit fertig zu stellen.

Nach dem Ausscheiden des langjährigen Tanzleiters Reinhold Fink übernahm Reinhold Frank von 1983 bis 1988 die Übungsleitertätigkeit. Hier zeigten sich zum ersten Mal die Früchte der Jugendarbeit. Reinhold Frank war bereits seit 1974 aktiv in der Kinder- und anschließend in der Jugendtanzgruppe.
1986 übernahm Bernd Müller für zwei Jahre das Amt des 1. Vorsitzenden des Vereins. Damit konnte die erfolgreiche Jugendarbeit fortgesetzt werden. Bernd Müller hatte seine Mitgliedschaft 1973 ebenfalls in der Kinder- und Jugendtanzgruppe begonnen.

Seit Gründung der Tanzgruppen mussten aus Mangel an eigenen Räumen die unterschiedlichsten Örtlichkeiten zu den Übungsstunden genutzt werden. Den ersten Übungsraum gewährte uns der Renninger Schwimmclub in seinem neuen Vereinsheim am Freibad. Nachdem dieser zu klein wurde konnte in den Folgejahren der Übungsbetrieb im Gymnastikraum der alten Schulturnhalle, im Bürgerhaus, im Vereinsheim der Kleintierzüchter, im katholischen und im evangelischen Gemeindehaus und zuletzt im Foyer der Rankbachhalle stattfinden.
Aufgrund dieses langjährigen „Wanderdaseins“ geht der Wunsch nach eigenen Vereinsräumlichkeiten - einer Heimat für die Mitglieder - bis in die sechziger Jahre zurück. Immer wieder versuchten die Vorstandschaft und die Ausschussmitglieder eigenen Grund und Boden zu erwerben. Diese Bestrebungen mussten angesichts der finanziellen Belastungen immer wieder verworfen werden.

Ab dem Ende der 80er Jahre arbeitete der Gesamtausschuss intensiv auf die Schaffung eines finanziellen Grundstockes für eigene Vereinsräume hin. Zahlreiche Veranstaltung, wie Volkstumsabende, offene Volkstanzen, Bergwaldfeste, Countryfeste und Sketchabende planten und realisierten die Mitglieder in den folgenden Jahren.

Während einer Kaffeepause beim „Daimler“ reifte 1986 zwischen dem 2. Vorsitzenden Martin Frech und seinem Arbeitskollegen Willi Isleib der Gedanke an ein Gastspiel der Mundarttheatergruppe Empfingen in Renningen. Willi Isleib und seine Frau Anni spielte in diesem Ensemble schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich die Hauptrollen. Nach einer kurzen und intensiven Planungsphase konnte bereits im Januar 1987 der erste Mundarttheaterabend in der Renninger SVR Halle stattfinden. Die Nach-frage nach Eintrittskarten war so groß, dass bereits die Folgeveranstaltung an zwei Abenden durchgeführt wurde. Damit war der Grundstein für eine erfolgreiche, jährlich wiederkehrende Veranstaltungsreihe gelegt.

1988 war die verbliebene aktive Tanzgruppe nach dem Rücktritt von Reinhold Frank als Tanzleiter und Klaus Skarke als Musiker der Auflösung nahe. Das persönliche Engagement des 1. Vorsitzenden Martin Frech (er übernahm dieses Amt 1988) und des bisherigen Amtsinhabers Bernd Müller bewirkte, dass einige ehemalige Tänzer und Tänzerinnen zurückkehrten. Christian Pagel konnte als Tanzleiter gewonnen werden. Ralf Holzmüller, der bereits seit 1979 als aktiver Tänzer im Verein war, musste ihn sehr häufig vertreten und übernahm deshalb 1989 die Tanzleitung vollständig.

Nachdem die Tänzerinnen bereits neu eingekleidet waren, konnten 1990 die Tänzer mit neuen Kniebundhosen ausgestattet werden. Auch hier lehnte man sich an die historischen Überlieferungen an und ließ die Hosen aus hellem Hirschleder anfertigen. Die roten Westen wurden beibehalten.

Im Oktober 1990 organisierte Walter Holzmüller eine einwöchige Spanienfahrt. Ziel war das Kulturfestival des Küstenortes Salou. Der Tanzleiter Ralf Holzmüller stellte den Kontakt zu den Mitgliedern des Volkstanzkreises Heilbronn her, die die Renninger Gruppe musikalisch und tänzerisch unterstützten. Bei mehreren Auftritten in Salou und der näheren Umgebung konnten die Volkstanzgruppen ihr Können unter Beweis stellen. Unter anderem wurde ein Auftritt im spanischen Fernsehen übertragen.

Seit 1985 gab es im Verein keine aktive Kindertanzgruppe mehr. Ralf Holzmüller erklärte sich bereit, eine neue Kindergruppe zu gründen und die Tanzleitung zu übernehmen. Zum ersten Übungsabend am 21. März 1990 kamen fünf Kinder. Die Resonanz in den nächsten Jahren war sehr groß. Bereits 1994 waren in den Kindertanzgruppen 30 Kinder aktiv.

Die Stadt Renningen feierte 1991 ihre 1000 Jahrfeier mit einem großen Umzug. Mitglieder der Folklore-, Tanz- und Trachtengruppe Renningen wirkten bei der Darstellung des Rathausbaus von 1590 und bei den Heimatvertriebenen mit. Zu diesem Anlass kamen die alten ungarischen Trachten noch einmal zum Einsatz.

1993 stellte die Vorstandschaft unter dem Vorsitzenden Martin Frech einen formlosen Antrag auf den Erwerb eines Baugrundstückes an die Stadtverwaltung Renningen. Zur Überraschung aller Ausschussmitglieder legte das Stadtbauamt bereits im gleichen Jahr erste Grobplanungen vor und machte eine Interessensumfrage unter den Renninger Vereinen.
Das im Landkreis Böblingen einmalige Konzept eines Vereinsdorfes erläuterten Herr Bürgermeister Bernhard Maier und der erste Beigeordnete Martin Wolf in einer gemeinsamen Sitzung, an der Vertreter aller interessierter Renninger Vereine teilnahmen. Das Ziel der Stadtväter war eine gleichartige Bauweise der Häuser unter der Federführung des Stadtbauamtes zu erreichen und somit ein städtebauliches Schmuckstück in der Renninger Gemeinde zu schaffen. Zitat Herr Maier: „ .... wir wollen keine vereinigten Hüttenwerke....“.

Im Januar 1994 gab die Hauptversammlung des Vereines mit 23 Ja Stimmen grünes Licht. Damit konnte mit der konkreten Planung begonnen werden. In den nächsten 1 ½ Jahren zeichneten Martin Frech und Walter Holzmüller ständig neue Varianten der Raumaufteilungen, entwickelten und verwarfen mit den Vereinsmitgliedern Ideen, stimmten Grundsatzentscheidungen mit den beteiligten Vereinen und der Stadtverwaltung ab und konnten letztendlich am 2. Juni 1995 den von dem Freien Architekten Longin Heinkele gezeichneten Bauantrag zur Genehmigung einreichen. Dieser wurde im November 1995 genehmigt.

Das Fehlen der Livemusik bei den Auftritten der Tanzgruppen veranlasste Ralf Holzmüller 1995 zusammen mit anderen aktiven Mitgliedern eine Musikgruppe zu gründen. Innerhalb von wenigen Monaten hatte er bereits sein erstes Ziel erreicht, die Tänze der Kindertanzgruppe musikalisch begleiten zu können. Die Tastenzupfer wurden in den nächsten Jahren ein fester Bestandteil des Vereinslebens.

Bis zum Baubeginn des Vereinsheimes im März 1996 gab es noch viel zu tun. Die Vorstände der Folklore-, Tanz- und Trachtengruppe Renningen und des Wandervereins Renningen hatten sich entschlossen, den gesamten Rohbau des 300 m² großen Gebäudes in gemeinsamer Arbeit zu erstellen. Ein gewagtes Ziel, da bei einem solchen Vorhaben auch mit Spannungen zwischen den Mitgliedern zu rechnen war.
Die Praxis aber zeigte, dass gegenseitige Achtung und die Hilfe der Beteiligten untereinander eine harmonische und effektive Zusammenarbeit möglich machten. Franz Frech, unser „Rohbauleiter“, organisierte und koordinierte die Arbeiten der Rentner während des Tages, diese wurden am späten Nachmittag durch die jüngeren arbeitstätigen Mitglieder abgelöst.

Mit dem Wanderverein war vereinbart worden, dass die Frauen der Vereine an den Samstagen im wöchentlichen Wechsel Essen zubereiteten. Barbara Frech und Gisela Holzmüller übernahmen die Organisation der Verpflegung von seiten unseres Vereines für die Helfer am Bau. Oftmals fielen die anschließenden Arbeiten sehr schwer.
Von schweren Unfällen blieben wir glücklicherweise verschont. Nur Franz Frech und Herbert Reich turnten derart auf ihrem „fachmännisch“ errichteten Gerüst herum, dass dieses unter ihrer Last zusammenbrach.

Die weiche Landung im Mörteleimer konnte trotz allem den Beinbruch nicht verhindern. Danach stolzierte unser Bauleiter mit Gipsbein über die Baustelle und „kommandierte“ noch mehr als vorher. Trotz aller Beschwerlichkeiten machte die Arbeit allen Spaß und vertiefte so manche, vorher lose Freundschaft.

Die Arbeiten machten schnelle Fortschritte, so dass bereits am 17. August 1996 das Richtfest gefeiert werden konnte. Franz Frech verlas zusammen mit Rainer Bubser den Richtspruch vom First des neuen Daches.

Während der gesamten Bauzeit planten Martin Frech und Walter Holzmüller die weiteren Baufortschritte sowie den Innenausbau. Sie organisierten Helfer, holten Angebote ein und kümmerten sich um die Finanzierung. Gute Kontakte zum „Daimler“ ermöglichten, dass so manches Inventar wie z.B. Schränke, Leuchtröhren, Thekenaufbau oder Toilettenabtrennungen als Spende übernommen werden konnten. Nach vielen, vielen Arbeitsstunden weihte man stolz am 15. November 1997 das eigene Vereinsheim ein.

„Top 7“ Hitliste der Arbeitsstunden

Franz Frech 1375 Std. Johann Hullar 517 Std.
Walter Holzmüller 804 Std. Ralf Holzmüller 500 Std.
Hans Kaiser jun. 775 Std. Martin Holzmüller 363 Std.
Martin Frech 764 Std.

Nachdem es in der Vergangenheit ständig Probleme mit der Länge des Vereinsnamens gab und dieser bei fast keinem Anlass richtig ausgesprochen wurde, schlug die Vorstandschaft im März 1997 der Hauptversammlung eine Änderung des Namens in „Folkloregruppe Renningen 1955 e.V.“ vor.

Das stetige Ansteigen der aktiven Tänzer in der Kindertanzgruppe machte 1997 eine Teilung in zwei Altersgruppen nötig. Zwischenzeitlich betreute Ralf Holzmüller als Tanzleiter 32 Kinder.

In der Hauptversammlung im März 1998 bat Ralf Holzmüller die Versammlung um die Zustimmung zur Gründung einer Showgruppe. Zwei Mädchen aus der Kindertanzgruppe wollten mit interessierten Kindern und Jugendlichen Hipp-Hopp Tänze einstudieren. In diesem Zuge ehrte die Hauptversammlung Martin Frech für seine 10-jährige Tätigkeit als 1. Vorsitzender.

Außerdem schlug Ralf Holzmüller vor, einen Seniorentanznachmittag ins Leben zu rufen. Er wollte damit Geselligkeit und Spaß am Tanz auch bei den älteren Mitgliedern des Vereins fördern.
Das erste Treffen unter dem Namen „Volkstanzcafe“ fand im Januar 1998 bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen statt. Schnell wuchs die Anzahl der Interessierten auf ca. 20 Männer und Frauen im Alter von 55 - 92 Jahren an.

Zusammen mit den jetzt neu im Vereinsdorf ansässigen Vereinen Schwimmclub, Musikverein und Wanderverein – feierten die Mitglieder von 8. – 10. Mai 1998 zur Einweihung der neu erbauten Gebäude ein großes Zeltfest. Der Vorstand des Reit- und Fahrvereins Renningen, H. Kaufmann, übergab zur offiziellen Einweihung eine handgemalte Hinweistafel, die am Zugang zum Vereinsdorf aufgestellt wurde und einen Lageplan über die ansässigen Vereine enthielt.
Bereits die ersten Veranstaltungen im Vereinsheim zeigten, dass der Getränke- und Lagerraum etwas zu klein ausgefallen war. Deshalb beantragte man im Februar 1999 den Anbau eines Lagerraums bei der Stadtverwaltung. Bereits im April konnten die Mitglieder mit der Realisierung beginnen und die Bauarbeiten wenige Monate später abschließen.



1999 setzte die Hauptversammlung Jelka Pusch als zweite Tanzleiterin ein. Sie war seit der Gründung der Tanzgruppe 1990 als aktives Mitglied mit großem Engagement dabei.

 
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